BleilauszeitenPrintspurenKirchenprojekteStartseiteMusikPrintspurenStartseite
DownloadsStartseiteKontaktImpressum und Disclaimer
holzschrift1

Die Bleilaus ist ein possierliches Tierchen, das in die gleiche Kategorie wie die Steinlaus von Loriot einzuordnen ist. Nur ist die Bleilaus weitaus länger bekannt. Setzer und Drucker präsentierten dieses kleine Tier (das sich überwiegend von Bleistaub ernährt) sehr gern Lehrlingen in ihren ersten Tagen im Betrieb. Dann wurde auf einem Schiff (einem Metalltablett, auf dem der Setzer den Satz erstellt) etwas Wasser ausgegossen und alsdann darauf gewartet, dass die Laus erscheint. Schon nach wenigen Momenten konnten sie alle sehen ... bis auf den neuen Lehrling, der dann ganz genau hinsehen musste, sich mit dem Gesicht immer mehr dem Schiff näherte ... und plötzlich das Wasser im Gesicht hatte.

Die großen Schriften – beispielsweise für den Plakatsatz – waren überwiegend aus Holz. Damit es hinterher auf dem Papier zu lesen war, mussten die Lettern in Spiegelschrift gefertigt werden. Die Schriften standen immer auf dem Kopf, dann konnte man von links nach rechts setzen.


Der Gautschbrief hängt immer noch an der Wand

Mein Gautschbrief hängt bei mir im Büro an der Wand und wer möchte, wird von mir auch vor einen gefüllten Setzkasten geführt. Die Ausbildung zum Schriftsetzer hat in vielerlei Hinsicht mein künftiges Leben bestimmt. Nach wie vor weiß ich die technischen Möglichkeiten der digitalen Text- und Bildverarbeitung zu schätzen, spiele und experimentiere mit Möglichkeiten, die es „früher“ nicht geben konnte.
Ich habe im Bleisatz gelernt, habe die Anfänge des Fotosatzes erlebt und bin im Grunde genommen bis heute nicht aus dem Staunen heraus gekommen, welche technische Revolution in einigen wenigen Jahrzehnten möglich war. Und welche neuen gestalterischen Möglichkeiten sich eröffnet haben.
Aber ich habe auch vieles bewusst er- und behalten, was mich seit meiner Ausbildungszeit begleitete. Vieles hat sich verändert, einiges ist geblieben. Typografische Grundlagen zu kennen, schadet nicht.

setzmaschine

Beim Gautschen bleibt kein Auge trocken

Mit einer Linotype Setzmaschine konnten ganze Schriftzeilen gegossen werden. Aus einem Magazin fielen die über eine Tastatur angewählten Matrizen herab (für jeden Buchstaben gab es eine solche Gussform), wurden aneinandergefügt und dann mit heißem Metall (Blei allein wäre zu weich gewesen) ausgegossen. Für die Wortzwischenräume wurden Spatienkeile verwandt. Die Matrizen wurden nach diesem Vorgang automatisch in ihre Fächer sortiert und konnten immer wieder verwendet werden.

Schon kurz nach Erfindung der Buchdruckerkunst muss das „Postulieren“ , das Verlangen, nach Ende der Lehre in den Stand der Gehilfen aufgenommen zu werden, aufgekommen sein. War das Verlangen selbst verständlich und schmerzfrei, so war die damit verbundene Tortur umso schmerzhafter. Zum Glück veränderte sich dieser Brauch mehr und mehr, bis er zu dem wurde, was selbst heute noch (gelegentlich) zelebriert wird: zum Gautschen. Der ehemalige Auszubildende wird (hier gibt es zwei Möglichkeiten) entweder in eine Wanne oder auf Schwämme gesetzt. Beides allerdings – hier gibt es nur eine Möglichkeit – ist voller Wasser. Beliebter ist (wen wundert’s) die gefüllte Wanne, schließlich gibt es die Möglichkeit der Gegenwehr und nicht selten gelingt es, zur Freude des Gautschmeisters und der zahlreichen Zeugen, einen der Packer mit ins Nass zu ziehen. Nach dem Gautschen wird der Gautschbrief ausgehändigt, den es in verschiedenen optischen und textlichen Versionen gibt. Den Abschluss bildet ein Gautschfest.


Startseite  |  Musik  |  Gestaltung  |  Bleilauszeiten  |  Seminare  |  Kirchenprojekte  |  Service  |  Sponsoring  |